Redner-Index: Zum Begriff "Hohe Tiere"

von Robert Scholderer

Redner-Index: Zum Begriff „Hohe Tiere“

Da ich mich als Redner und Trainer vertieft mit den Themen Management und Führungskräfte beschäftige, möchte ich den folgenden Blog-Beitrag einfach einmal dem Begriff der „Hohen Tiere“ selbst widmen. Denn so selbstverständlich wir diesen Begriff auch oft anwenden – wo stammt er eigentlich her?

Herkunft des Begriffs „Hohe Tiere“
Umgangssprachlich beschreibt der Begriff „Hohes Tier“ eine Persönlichkeit, die hohes Ansehen in der Gesellschaft genießt oder in der gesellschaftlichen Hierarchie eine hohe Stellung einnimmt. Als „Hohe Tiere“ werden z. B. hierarchisch hochgestellte Personen (Geschäftsführer oder Vorgesetzte in Unternehmen), einflussreiche Politiker oder auch prominente Schauspieler bezeichnet. Soweit zur Begriffsverwendung.

Redner-Hohe-Tiere

Entstehungsgeschichte des Begriffs „Hohes Tier“
Die Bezeichnung „Hohes Tier“ wurde bereits im 19. Jahrhundert von der Landbevölkerung verwendet, zu der etwa zwei Drittel der deutschen Gesamtbevölkerung gehörten. Er entstand vor dem Hintergrund der stark hierarchisch geprägten Gesellschaftsordnung des 19. Jahrhunderts. Innerhalb der damaligen Landbevölkerung existierten klare Rangordnungen, die die hohe oder niedrige Stellung eines Dorfbewohners innerhalb der Gemeinschaft wiedergaben. Dies spiegelte sich in der ländlichen Umgebung, in der der Umgang mit Tieren alltäglich war, im bildhaften Vergleich von Menschen und Tieren wieder. Wurde ein Mensch demnach als „großes“ oder „hohes Tier“ bezeichnet, so meinte dies in der volkstümlichen Metaphorik, die gerne zwischen „oben“ und „unten“ unterschied, dass es sich um eine Persönlichkeit handelt, die „hoch hinaus wollte“ oder schon eine hohe gesellschaftliche Stellung erreicht hatte.

Wie wurde jemand zum „Hohen Tier“?
Ein „Hohes Tier“ wurden Angehörige der Landbevölkerung entweder bereits durch Geburt (insbesondere als Adlige) oder durch Aufstieg in der Gesellschaft (z. B. als Grundbesitzer). Die grundbesitzlosen Landarbeiter befanden sich in der Dorfhierarchie ganz unten. Über ihnen waren Kleinbauern und Tagelöhner angesiedelt. Der überwiegende Teil der Dorfbevölkerung bestand aus einer Schicht mittelgroßer Bauern, die auch Dienstboten beschäftigten. Großbauern, die die oberste Schicht der Bauernschaft bildeten, besaßen den überwiegenden Teil der landwirtschaftlich bewirtschafteten Flächen. Gutsbesitzer und Adel standen an der Spitze der ländlichen Hierarchie. Angehörige dieser angesehenen und reichen Oberschicht wurden als „Hohe Tiere“ bezeichnet.

Der Unterschied zwischen „Hohem Tier“ und „großem Tier“
Teilweise wird als Synonym für „hohes Tier“ auch der Begriff „großes Tier“ verwendet, welcher bereits in einem im 16. Jahrhundert auf lateinisch verfassten Gedicht von Kaspar Scheit  enthalten ist und im 18. Jahrhundert geläufig war. Der Begriff „großes Tier“ besitzt jedoch ursprünglich eine eher abwertende Bedeutung, indem er ironisch auf pomphaftes Auftreten oder Wichtigtuerei (insbesondere von Beamten und Würdenträgern) hinweist.

„Bigwig“: englische Begriffsverwendung
In der englischen Sprache findet sich als Entsprechung zum „Hohen Tier“ der umgangssprachliche Begriff „bigwig“, der ebenfalls einflussreiche Persönlichkeiten bezeichnet. „Wig“ meint die weiße Perücke aus Pferdehaar, die traditionell an englischen Gerichten getragen wurde. „Bigwig“ benannte zunächst nur die besonders hochrangigen Richter. An englischen Strafgerichten ist das Tragen einer „wig“ auch heute noch obligatorisch, während sie an Familien- und Zivilgerichten nach 300-jähriger Verwendung erst im Oktober 2010 aus Kostengründen abgeschafft wurde. Als Synonyme für „bigwig“ werden auch „big boss“, „big cheese“, „big wheel“, „big gun“ oder „big hat“ verwendet.

Als Redner und Trainer für Führungskräfte und Manager sehe ich zwischen der damaligen und der heutigen Begriffsverwendung die tragenden Parallelen eindeutig in der zielorientierten Ausrichtung auf eine erhöhte, hierarchische Position. Sowohl in der Gesellschaft, als auch in Unternehmen. Damals wie heute.

 

 

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