Redner-Index: Zum Glück werden Häuser nicht mit der IT gebaut

von Robert Scholderer

Redner-Index: Zum Glück werden Häuser nicht mit der IT gebaut

Wer schon mal ein Haus gebaut hat, der weiss, dass es viele Punkte gibt, die man abstimmen muss. Es gibt jedoch darüber hinaus noch etwas, das passen muss. Das Handwerk des Maurerns. Die Wände müssen im 90Grad Winkel zueinander stehen. Die Statik muss so sein, dass alles sauber berechnet ist. Eine 99-prozentige Nichteinsturzgefahr würde wohl kein Hausbauer akzeptieren. Das Haus steht -  ohne wenn und aber. Der Strom wird auch nicht mit mal 220 Volt oder mal mit 125 Volt geliefert. Das Wasser fliesst auch nur aus dem Wasserhahn und nicht sonstwo heraus.

Alles was für den Hausbau notwendig ist, steht im Architekturplan. Hier ist das Anforderungsmanagement konzentriert auf einen Plan. Und in der IT? Häufig werden, um in der Analogie zu bleiben, Steine, Mörtel, Wasser, Kabel, Steckdosen und Wasserleitungen geliefert. Und mehr gibt es dann nicht. Die Zusammensetzung in einen "Architekturplan" bleibt einem selbst überlassen. Natürlich sind dann Profis am Werk, um dann die relevanten Technologien wie Server, Netze, Datenbanken, Applikationen etc. zusammenzusetzen. Aber auch die Profis müssen auf die Baumaterialien zurückgreifen und da entsteht das Problem. Während man in der mehrtausendjährigen Geschichte des Häuserbaus Erfahrung hat, ist man in der IT nach 40 Jahren noch etwas ungeübt. Oft finde ich Servicebeschreibungen vor, die nicht das halten was sie verprechen.

Fehlendes Service Design
Die Servicebeschreibungen gehen entweder zu generell an die Sache heran, so dass man nicht weiss, ob man das Fundament auf Beton oder auf Sand mit Wasser baut. Ein Beispiel. Man hat die Option einen Server zu verwenden mit einer Power von 4 CPUs. Das ist natürlich toll. Nur wer eine sehr gute Antwortzeit für seine Anwendung benötigt, der wird mit diesen Angaben, die sich dann auch über Datenbanken, etc. erstrecken wenig Erfolg haben. Das Service Design aus der Sicht des Kunden bedarf anderer Kriterien.

Durchdachtes Service Design
Nach wie vor zeigt sich, dass IT-Services nicht sauber designt werden. Diese Disziplin wird nach wie vor stiefmütterlich behandelt, wie man umgangsprachlich sagt. Nur wie sieht ein durchdachtes Service Design aus, damit das "IT-Haus" auf einem sauberen Fundament steht? Generell lässt sich sagen, dass man für ein gutes Service Design ausgebildet werden muss. Ähnlich wie ein Architekt kann man das auch in der IT nicht so einfach ad hoc. Die Zuweisung des IT-Management an einen favorisierten Mitarbeiter, der das mal schnell nebenher machen soll, ist in den meisten Fällen zum Scheitern verurteilt.

Geplantes Service Design
Ein geplantes Service Design sieht so aus, dass man die im IT-Unternehmen vorliegenden IT-Services recherchiert und analyisert. Dann werden die Gemeinsamkeiten extrahiert und es entsteht eine erste Sicht darauf, welche IT-Services geeignet sind und weiter in Betracht gezogen werden müssen, der Rest zählt dann als IT-Projekte, die individuell erstellt werden. Um die IT-Services dann zu beschreiben, bedarf es weniger der Technik, als dem Verständnis für welche Zielgruppe schreibe ich die IT-Services und nicht wie beschreibt man eine Technologie als IT-Services. Diese Umkehrung mit dem Blick auf die Zielgruppe kann man als Erfolgsgeheimnis betrachten.

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